Beruf kommt von Berufung, sagt man so. Nunja, nicht jeder übt wohl einen Job aus den er liebt und wonach er sich sehnt, wenn er ihn mal nicht ausüben kann, aber in meinem Fall trifft das zumindest wenigstens zur Hälfte zu, denn mein Bestreben war es immer selbstständig zu sein, einen eigenen “Laden” zu haben.
Nun habe ich ihn und das schon anderthalb Jahre.
Wenn ich mal zurückdenke…was habe ich schon alles gemacht… Natürlich war ich auch schon selbstständig, als Makler, als freiberuflicher Immobilienverkäufer, aber das ist noch etwas ganz anderes.
Fast im jährlichen Rythmus habe ich die Arbeitgeber gewechselt, bis auf die letzten fast 5 Jahre, da nahm ich mir vor durchzuhalten und glücklich zu sein endlich das Unternehmen gefunden zu haben, in dem man auf Dauer zufrieden sein kann. Ging ja auch gut, bis zu dem Zeitpunkt von dem ich euch schon erzählte.
Nun bin ich selbstständig, habe meinen eigenen Laden, kann das tun woran ich Freude habe und muß nur sehen, dass auch genügend Kohle reinkommt, um davon existieren zu können. Wobei ich noch nicht mal Wohlstand meine, nein ich meine reines Existieren, seinen Lebensunterhalt decken können. Und zwar den Lebensunterhalt der Nahrung und Miete sichert, das Auto bezahlen läßt und wovon man dann auch noch tanken kann. Von neuer Kleidung rede ich erstmal nicht.
Früher, als ich noch verheiratet war, da hat meine Frau darauf wert gelegt, dass hin und wieder meine Anzüge in die Reinigung kamen. Oh man, was waren das noch für Zeiten. Und wofür brauche ich heute einen Anzug ? Neulich hatte meine Mutter ihren 83zigsten, da hab ich mich gefreut mal wieder einen anziehen zu können. Gefreut !! Früher war ich froh mal endlich keinen mehr tragen zu müssen, wenn ich bürofrei hatte. Und wie war meine Frau immer enttäuscht und konnte es nicht verstehen, wenn ich mich nicht chic machen wollte, sobald wir irgendwo eingeladen waren. Heute bin ich glücklich,wenn es einen Anlaß gibt, mich mal “chic” machen zu können. Ist das Leben nicht irre ? Habt ihr mal euer Leben so verändert, dass es völlig anders ist ? Auf Dauer ? Als ich mich von meiner Frau nach 13 Jahren bzw. 7 Ehejahren getrennt hatte, habe ich die ersten 3 Monate im leerstehenden Haus meiner Mutter verbracht, auf einer Matratze geschlafen, die ich bei Lidl erwarb. Im Haus stand ne alte Couch und ich hatte in meinen Mondeo beim Auszug alles reinstopft, was man in einem Mal mitbekommen kann, inklusive eines Fernsehers, der die ersten 3 Monate mein Familienersatz darstellte. Mehr wollte ich nicht. Sie durfte alles andere behalten. Ich war es ja, der sie verließ, was stand mir also zu, hatte ihr im letzten Jahr des Zusammenlebens Kummer genug gemacht. Und warum ging ich ? Nicht was jetzt jeder denkt. Ich ging, weil ich zum ersten Mal in dieser Beziehung ehrlich war, weil ich Konsequenzen zog aus meinen für eine Ehe nicht ausreichenden Gefühlen und weil ich mich mit 40 fragte “War`s das jetzt ? Soll es in dieser Art bis ans Ende meiner Tage weiter gehen ? Den gleichen Job, auf die selbe Weise nach Hause kommen, essen, fernsehen und dann ins Bett ? Immer der gleiche Rythmus ? ” Nein, das fühlte sich grausam an. Und wer ist des denn der mein Leben lebt ? Ich bin es und ich muß sehen, dass ich dieses Leben sinnvoll verbringe und beim Verlassen dieses Lebens sagen kann “ich bin zufrieden. Es war gut”
Drum ging ich diesen Weg und trotz normaler Scheidungsprobleme ist nun alles Vergangene abgeharkt. Ein Kapitel abgeschlossen und ich gestehe noch nie so glücklich gewesen zu sein, wie in den 3 Monaten mit nur einer Matratze. Es gehört halt nicht viel zum Glücklichsein dazu. Man muß nur spüren, was man dazu braucht. Geld ist es jedenfalls in den seltesten Fällen. Und selbst “auf die Nase fallen” kann noch glücklich machen, hauptsache man hat es probiert, was gewagt.
Nun wißt ihr was Berufung ist. Berufung ist das Erkennen was die Seele braucht und es dann durchzuführen.
Im Beruf wie auch in allen anderen Dingen.
Bis morgen dann !