Überhaupt war fernsehen damals noch ein besonderes Ereignis, auf das ich mich immer gefreut hatte.
Es gab wie gesagt nur schwarzweiß, denn einen Farbfernseher konnten meine Eltern sich damals noch nicht erlauben. Es gab auch nur 3 Programme, das Erste, das Zweite und das Dritte und eben genauso genannt.
Samstagabends ging ich vor dem 20.15 Uhr Fernsehshow noch in die Badewanne, oft begleitet von meinen Indianern und Cowboys. Anschließlich schlüpfte ich in meinen Schlafanzug aus Frottee, nahm mir eine Decke und dann setzte ich mich auf den Fußboden keine 2m vom Fernseher entfernt. Meine Eltern saßen auf ihrer Couch von der es, soweit ich mich erinnern kann, während meines Lebens im Elternhaus noch 3 Nachfolger gab. Ein Farbfernseher folgte natürlich irgendwann auch, nur daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Später als ich ca. 13 war bekam ich auch einen kleinen tragbaren Schwarzweißfernseher, den ich aber innerhalb kürzester Zeit unabsichtlich mit Apfelsaft zerstörte. Wie ? Ganz einfach…eine volle Apfelsafttüte auf den Fernseher stellen und dann aus Versehen umkippen. Das Zeug backt derart, dass sämtliche Drähte überbrückt werden und sich somit ein innerer Kurzschluß ergibt. Apropos Kurzschluß ! Als ich später als junger Jugendlicher einen großen Schwarzweiß-Fernseher erhielt, machte ich schon mal die Rückwand davon auf und bastelte ein wenig darin herum. ZUm Glück ist nie etwas schief gegangen, was man von Stromschlägen an der Steckdose oder an Lampen nicht bahupten kann. Mein Herz war schnell an eine höhere Belastung gewöhnt. War ja auch zu spannend diese Technik.
Aber zurück zu Samstag…
Samtags wurde auch immer eingekauft. Ich fuhr nicht immer mit, aber ich durfte mir aussuchen, was ich übers Wochenende zu schlickern “naschen” und zu Trinken haben wollte. Zumeist waren es Katjes und 1 Flasche Cola, denn die durfte ich schon sehr früh. Vom hohen Zuckergehalt, bzw. von dem genauen wußte man damals noch nichts. Wer sich zu dieser Zeit um solche Fragen kümmerte war entweder von einem anderen Stern oder wurde ausgelacht.
Sonntags vorm Abendbrot, wo zumeist auch meine Brüder mit ihren Frauen hinzukamen, sah ich immer Sendungen wie Tarzan, Raumschiff Enterprise, Rauchende Colts, Bonanza, SOS Charterboot oder Schirm Charme und Melone. Letzteres nahm ich aber umso intensiver zu Kenntnis je mehr es auf die Pubertät zu ging.
Fernsehen wurde auch nicht eingeschränkt, weil auch gar nicht nötig. Die meiste Zeit verbrachte ich sowieso beim Spielen in meinem Zimmer oder eben draußen bei den anderen Kindern.
Das Spielen selbst veränderte sich natürlich auch mit dem Alter. Meine geliebten und gehüteten Siku - und Matchboxautos wurden in späteren Jahren dann auch mal zu Unfallautos. Unfälle gehörten schließlich auch zur Realität und somit drosch ich z.B. mit einem Hammer auf so manche ein oder nutzte auch Sylvesterböller oder ein Feuerzeug um Explosionen und Brände zu verursachen.
Meine elektrische Eisenbahn stellte ich mit Lok und Waggons in flüssigen Gips und ließ ihn trocknen. Das sollte dann eine Eisenbahn im Schnee darstellen, was wohl der Vorläufer oder Anfang meiner künstlerischen Ader war. Später folgten wechselnde Aquarienlandschaften und Akt-Zeichnungen, aber das letztere erst mit Anfang 15.
Alles in allem kann ich wohl behaupten, dass meine Kindheit eine schöne Zeit war. Wenn ich heute daran zurückdenke, dann haben wir auch viel draußen Cowboy und Indianer gespielt, wobei aus einem einfachen Stock dann ganz einfach und schnell ein Gewehr wurde. So haben wir um uns geschossen. Später einmal wünschte ich mir von meinen Eltern ein Plastik-Gewehr, was ich aber zu meiner großen Enttäuschung nicht bekam. Wie auch vieles was ich mir wünschte, auch das Bonanza-Fahrrad, so eines wie mein Freund Jens hatte, was ich auch nicht bekam. Ich bekam grundsätzlich etwas anderes oder eben gar nichts, aber geschadet hat es nichts. Auch das Gewehr schadete nicht. Ich bin auch heute ein friedliebender Mensch und mit Waffen hab ich “nichts am Hut”. Da stellte sich doch die Frage welchen Einfluß Waffen und Kriegsspiele auf Kinder haben. Haben sie ?
Alles in allem war man damals bescheidener finde ich. Ein Siku-LKW zu Weihnachten war schon ein Erlebnis erster Klasse. Okay, der Fernseher hatte damals 300 DM gekostet, aber wenn ich bedenke wei wenig meine Eltern auf mein Fernseher-Zerstören reagiert haben, frage ich mich nicht doch, ob der nicht eher von meinem Onkel Heinz geschenkt wurde, denn der arbeitete damals bei Nordmende…
Kinderzeit-Spielzeit und dann kam die Schule.
Mit 6 wurde ich eingeschult. Gefreut hatte ich mich darüber nicht. Der Vormittag zum Spielen war Vergangenheit. Frau Schlasche hieß meine erste Lehrerin, sie war 30 Jahre alt und war eigentlich nett. Später wurde sie die Freundin meiner Lieblingstante und fragte die ganzen nachfolgende Jahre bis zu ihrer eigenen Rente immer wieder was denn der Thomas so macht. Noch heute habe ich sie so vor Augen wie sie damals aussah, etwas braun gebrannt, nicht ganz so schlank, mit einem silbernen Armreif und vor allem grooß war sie, aus meiner damaligen ”Sicht”.
Die ersten 3 Jahre Grudnschule gingen schnell vorbei. Erinnerungen daran habe ich so gut wie keine, außer das es mir dort nicht behagte. Ich war ein stiller Schüler und entsprechend waren die Zeugniseinträge.
Hausaufgaben waren ein Greuel, vor allem sauber schreiben ! Tja, und meine Mutter deutete damals schon an was ich die nächsten Jahre von ihr zu erwarten hatte. Bist du nicht willig…
Ich freute mich eigentlich nur immer auf das Nachhausekommen und eine bestimmte Zeit sogar ganz besonders, denn mein zweitältester Bruder hatte für seine neue Flamme, in die er unglücklich verliebt war, sich einen Baby-Cockerspaniel angeschafft. da er aber weder Ziet noch Lust dazu hatte ihn zu pflegen und seine Angebetete wohl kein Interesse kund tat, blieb der Hund bei meinen Eltern, was für meine Mutter ein Horror war. Sie hatte Angst vor Tieren und wenn der Hund Wasser brauchte fiel ihr fast der Napf mit dem Wasser aus der Hand wenn Charlie, so hieß das goldene Prachttier, an ihr hinaufsprang.
Charlie freute sich ebenso wie ich immer auf den Schulschluß. Er erwartete mich schon an der Gartenpforte und zog mit seinen Zähnen immer an meiner Hose, was ich allerdings nicht so toll fand. Aber er war nun Mal noch ein Baby.
Eines Tages hörte ich meine Eltern diskutieren über Charly und seinen Verbleib bei uns. Meine Eltern sahen nicht ein den Hund für meinen Bruder groß zu ziehen, die Angst meiner Mutter war auch zu groß. Als es ernster wurde sagte ich, dass ich niemehr ein Wort mit ihnen reden würde, wenn sie mir das Liebste nehmen würden, nämlich Charlie. Am nächsten Tag wachte ich auf, es war Wochenende und wollte zu ”meinem” Hund. Doch er war nicht mehr da. Sie hatten ihn verkauft und abholen lassen, als ich noch schlief. Ich war todunglücklich und zutiefst enttäuscht von meinen Eltern. Ich war noch klein und konnte es nicht verstehen. Sie hatten mich hintergangen und sie wußten was der Hund mir bedeutete. Heute weiß ich nicht mehr wie lange ich traurig war. Es hat nur eine Weile gedauert, diese Enttäuschung über meine Eltern zu verkraften. Später hatte ich immer wieder mal Wellensittiche, ein Meerschweinchen,dass immer quiekte wenn ich nach Hause kam, mal einen Hamster, 2 Eidechsen die ich bald wieder abschaffte, weil mir die Mehlwürmer zu sehr stanken, dann noch Süsswasserfische und Schilli die Rotwangenschildkröte. Und heute als Erwachsener wieder einen Hund. Man kann also nicht behaupten, dass wir tierarm waren, trotz der bleibenden Ängste meiner Mutter, die auch heute noch nur sehr ängstlich, aber vertrauensvoll, den Kopf meines Hundes streicheln kann.
Wo waren wir, ach ja bei der Schule. Zu früh wurde ich eingschult wie sich im Laufe der nachfolgenden Jahre herausstellen sollte. Ich war immer mit der Jüngste und hatte stets einen entsprechend schweren Stand.
Interessant waren in der Anfangszeit auch die Schullandheimausflüge. Einen Begleitlehrer, den Herrn Bartels, mochte ich gern, denn der konnte am Lagerfeuer Gitarre spielen, was ich immer klasse fand-das Lagerfeuer und das Gitarrespielen mit dem Singen dazu. Mein erster Schullandheimauffenthalt war ungewohnt für mich, denn ich war voher noch niemals so lang ohne Eltern weg von Zuhaus. 1 Woche blieben wir und die Anfahrt dahin kam mir wahnsinnig lang und weit vor. Heute weiß ich, dass es nur 30km waren. Schon eigenartig, diese Empfindungen. Es war auch eigenartig wie ich mich benahm. Wie üblich packte meine Mutter den Koffer wieder übervoll, also für mindestens 3 Wochen, wie sie es auch sonst immer tat. Und was nutzte ich davon ? So gut wie nichts. Er blieb fast unberührt. So war halt Thomas. 1 Woche, die Unterwäsche ausgenommen, immer das Selbe an.
Nach der 3. Klasse kam ich an eine andere Schule, eine Hauptschule. Und dann kam das Schlimmste was mir zu dem Zeitpunkt passieren konnte. Vor Beginn des ersten Schultags dort bekam ich eine Brille, ein Kassengestell, eine Hornbrille. Ich war entstellt für alle Zeit ! Meine Mutter mußt mich zur Schule zerren. Alle Kinder waren schon in der Klasse und ich stand vor dem Klassenraum auf dem Flur zusammen mit meiner Mutter. Plötzlich ging die Tür auf und mein zukünftiger Lehrer kam heraus. Es war ein älterer Mann, so um die 50, erlächelte und trug selber eine Brille, wie übrigens meine Eltern auch. Meine Mutter erzählte ihm, dass ich Angst hätte mich zu blamieren, dass ich mich schämte und ich wollte wirklich von niemanden so gesehen werden. Er sprach ruhig und vertrauensvoll auf mich ein, schob mich vor sich her und meinte, dass würden wir schon hinbekommen. Ich ging vor ihm her und meine Mutter blieb draußen. Als wir die Klasse betraten, sagte er laut und deutlich im Gehen und zu meinen Mitschülern ” Das ist Thomas, unser Professor”. Ob man es glaubt oder nicht, mit diesem Satz waren sämtliche Ängste verflogen. Ich fühlte mich umgehend gut und keiner lachte oder sah mich komisch an. Und es gab niemals in all den Jahren danach ein hämisches Wort eines anderen Kindes über mein Brille oder mich als Brillenträger. Ich fühlte mich gut und wenn beim Radschlagen draußen auf dem Schulhof an der hohen Stange meine Brille mal wegflog, dann war ich sogar auf diese Kassenbrille stolz, denn der konnte auch ein Sturz aus großer Höhe nun wirklich nichts anhaben.
Allerdings erzählte ich meinen Eltern erst im Jugenalter davon, dass die Schulärztin mir auch eine Zahnklammer verschreiben wollte…
Fortsetzung folgt.