4.Klasse Hauptschule. Es war eine alte Schule, sicher vor dem 1.Weltkrieg erbaut, aber hatte eben deshalb Charme. Noch heute fahre ich 1mal die Woche an beiden Schulen vorbei und versuche mich zu erinnern.
In der alten Schule, so nenne ich sie jetzt einmal, gab es auch einen Garten, den wir im Biologieunterricht besuchten. Dort gab es Obstbäume und auch einen Bienenstock. Eines Tages kam ein Imker und wir durften dabei sein, als er an den Bienenstock ging. Ein Schul-Kollege, blöder Begriff, also ein Mitschüler, etwas dicklich, der auch unweit der Schule wohnte und bei dessen Haus ich mich auch immer an ihn erinnere, hatte wohl etwas Pech. Kurz nachdem der Imker mit seinen Erklärungen anfing kam eine Biene auf ihn zu und stach ihm ans Auge. Ich erinnere mich nur noch, dass es innerhalb kürzester Zeit enorm anschwoll und er schon bald auch darauf nichts mehr sehen konnte. Ich glaube sogar, dass ein Notarztwagen ihn abholte, aber beschwören könnte ich es nicht mehr. Von da an hatte ich einen Heiden-Respekt vor Bienen oder soll man sogar sagen, ich hatte Angst. Also wurde ich einer der Menschen, die beim Nähern einer Biene oder Wespe wild um sich schlugen, was zum Glück später, beim Einsatz des Verstandes und mehr Wissen, wieder nachließ.
Ich fand unsere Schule schön und gut. Auch auf die Sportfeste freute ich mich immer. Ich mochte und mag Wettkämpfe. Was ich nicht mochte war Unfriede, was ich im Übrigen auch heute noch nicht mag.
Eines Tages begab es sich, dass ein Mädchen in unserer Klasse sehr frech zu meinem Lehrer war. Das trieb sie so auf die Spitze, dass er fast die Beherrschung verlor und einen Schlag mit der Hand andeutete. Ich nahm die ganze Situation mit großem Verständnis für meinen Lehrer auf und wohl auch viele andere mit mir. Am nächsten Tag kam die Mutter zusammen mit dem Mädchen in die Schule und der Schulleiter dazu. Vor unseren Augen und Ohren wurde mein Lehrer zur Rede gestellt und die Mutter nebst Kinder unterstellten ihm, dass er sie geschlagen hätte. Ich fand das ziemlich schäbig und als die Frage an die Klasse erging, ob das stimmen würde, mußte die Mutter mit einer peinlichen Niederlage wieder abziehen.
Ich fand, dass Lehrer sein schon ne schwere Sache ist und als ich in späteren Jahren davon erfuhr, dass mein alter Lehrer an eine andere Schule versetzt wurde und statt wie jahrelang zuvor 10 Jährige, nun 17-18 Jährige unterrichten mußte, wurde mir anders und ich wußte, dass das nicht gut gehen konnte. Schon wenig später erfuhr ich, dass er nach einem Streit mit einem Schüler einen Herzinfarkt bekommen haben soll. Schuld für mich waren die Menschen, die ihn, unverantzwortlich und ohne Nachzudenken, in seinem Alter diesen Jugendlichen vorgesetzt hatten.
Mit ihm als Lehrer hatte es mir jedenfalls immer Spaß gemacht. Er war ganz klar vom “alten Schlag”, aber im Grunde seines Herzens ein guter und auch immer ein netter Mensch.
Nun gab es halt Kinder, die waren nicht so “brav” erzogen und dann gab es andere, die wurden gehänselt.
In unserer Klasse gab es z.B. Rudy. Rudy war ein Mädchen, dass kaum bis gar nichts sagte und schon deshalb einen schweren Stand hatte. Was aber noch schlimmer war, war, dass sie nicht sehr sauber wirkte und schon bald als “stinkend” tituliert wurde. Ich konnte zwar nie etwas riechen und fand sie auch nicht unattraktiv, aber welches Kind bekommt da keine Zweifel, wenn die ganze andere Kinderschar so etwas von ihr behauptet und sie zudem auch nicht gerade ordentlich angezogen aussah.
Als wir eines Tages wieder im Schullandheim waren, gab es ein Salzstangen-Essen zu Zweit, d.h. immer jeweils 2 Kinder sollten gemeinsam eine Salzstange essen, das eine von dem Ende der Salzstange und das andere vom anderen Ende der Salzstange, und so lange bis man sich dabei küssen mußte.
Wie es so oft geht, suchte jeder sich einen Partner aus und da ich und Rudy nunmal sehr ruhig und schüchtern waren, blieben zum Schluß zu meiner größten Befürchtung nur wir beide über.
Also aßen wir los, aber bevor sich unsere Münder berührten stoppte ich und brach ab.
Schade eigentlich, denn hätte ich gewußt, dass ich auf den nächsten Mundkuß noch 17 lange und weitere Jahre warten muß, hätte ich den Akt mit Sicherheit vollzogen.
An meine alte Schule habe ich noch eine weitere Erinnerung, die mich geprägt hat und die ich nicht vergessen habe.
Frau Oberdiek, so hieß meine gut beleibte Englisch-Lehrerin. Wie normal haben Kinder ja auch Schulaufgaben auf und an diesem Morgen zum Englischunterricht war es nicht anders. Mein Manko war allerdings, dass ich vergessen hatte sie zu machen. Wie es der Zufall nunmal so will, und erst in heutigen Jahren mußte ich lernen, dass es keine Zufälle gibt, rief Frau Oberdiek mich auf, damit ich meine Hausaufgaben vorlesen konnte. Da ich jedoch keine hatte und dieses nicht vor der ganzen Klasse und in der Erwartungsstille zugeben konnte, begann ich einfach aus meinem Heft zu lesen, einem Heft in dem nichts weiter zu finden war, als leere Zeilen. Natürlich mußte das in ein Fiasko führen und sodann flog ich auch sehr schnell auf. Das Donnerwetter liegt mir noch in Erinnerung, aber was viel mehr als Gedächtnis-Nachlaß zurück blieb, war der Betrug den ich beging und der auflogen war und natürlich auch mußte. Wie so oft flog auch dieses auf, wie alles in meinem bisherigen Leben, was ich an “Dummheiten” absichtlich und vorsätzlich beging. Ich eigne mich in keinster Weise als Betrüger oder Gangster, so viel ist und war schon mal klar. Mein Weg mußte und sollte einfach ein anderer sein. So hatte auch dieses Ereignis seinen Sinn.
4 Jahre bleib ich auf meiner alten Hauptschule und dann hieß es Aufstieg in die Realschule oder auf der Haupschuleebene bleiben. Wie gut weiß ich noch was mein guter alter Lehrer meiner Mutter in meinem Beisein empfahl. “Ich empfehle Ihnen und Ihrem Sohn auf der Haupstschule zu beleiben. Die Realschule wird zu schwer für ihn sein.”
Wer meine Mutter kennt, der weiß, dass ihr das als Realschülerin des höheren Lizeums natürlich nicht so recht schmeckte. Und wer mich kennt, der weiß, dass mich eine solche Minder-Einschätzung gerade zu fordert dem Urteilenden das Gegenteil zu beweisen, also war klar wohin der Weg führt- in die Realschule.
Und da mache ich beim nächsten Mal weiter